Von Kosmetik bis Chirurgie
Kaum ein Mensch ist zu 100 % zufrieden mit seinem Äußeren. Manche finden nur kleine Schönheitsfehler an sich, wie etwa leicht abstehende Ohren, oder sie empfinden ihre Sommersprossen als hässlich, manche sind mit ihrem Aussehen aber auch auf der ganzen Linie unglücklich. Die meisten bewegen sich irgendwo zwischen diesen Positionen. Doch im Prinzip findet sich immer etwas am Aussehen, das schön ist. Eine schöne Augenfarbe oder -form lässt sich dann etwa mit einem tollen Augenmake-up betonen und in den Mittelpunkt stellen. Als Nebeneffekt rücken andere, unerwünschte Merkmale, wie etwa ein schmaler Mund, in den Hintergrund und werden weniger wahrgenommen.
Wem es nicht reicht, seine persönliche Schönheit zu unterstreichen, sondern starke Unzufriedenheit über sein Aussehen empfindet, den belastet dies häufig auch psychisch und das Selbstwertgefühl leidet. Manche Problemzonen lassen sich nicht mit Schminke überdecken oder durch spezielle Kleidungsschnitte kaschieren. In diesen Fällen entscheiden sich die Betroffenen immer häufiger für einen chirurgischen Eingriff. Für viele Patienten, die vor allem eine einzige Problemquelle identifiziert haben, bedeutet so eine OP die Erlösung. Sind sie zufrieden mit dem Ergebnis, verschwindet die Unsicherheit und das Selbstbewusstsein ist wiederhergestellt.
Hier liegt aber auch eine große Gefahr: Manche werden regelrecht süchtig nach diesem Gefühl und wollen immer mehr verändern, um Perfektion zu erreichen. Für sie ist der Gang zum Schönheitschirurgen schon so normal, als würden sie ins Kosmetikstudio gehen und Nagellack auftragen lassen. Leider schwindet bei diesen Patienten irgendwann das gesunde Empfinden dafür, wann ein stimmiges Gesamtbild erreicht ist und nichts mehr verändert werden sollte. Ein seriöser Schönheitschirurg behandelt solche Kunden nicht weiter, sondern empfiehlt eine Behandlung beim Psychologen. Die Ursachen für diesen Schönheitswahn liegen in solchen Fällen oft tiefer, in einem grundlegenden Gefühl, nichts wert zu sein oder den Ansprüchen anderer um jeden Preis genügen zu müssen.
